JOHANNES SCHREIBER

„Leergut oder der Geist der Flasche“

128. Kabinettausstellung des Kunstvereins Bayreuth e.V. im Kunstkabinett

VeranstaltungsortKunstkabinett im Kunstmuseum Bayreuth
Altes Barock Rathaus
Maximilianstr. 33 (Eingang Brautgasse) 95444 Bayreuth
Zeitraum29. November 2026 bis 27. Januar 2027
ÖffnungszeitenDi – So täglich von 10 – 17 Uhr
Eröffnung / VernissageSonntag, 29. November 2026, 11 Uhr
(C) Johannes Schreiber „Wesen“

Johannes Schreiber ist ein deutscher Glasmaler und Glaskünstler, der die flüchtige Schönheit des Lichts in dauerhafte Kunstwerke verwandelt. Geboren 1963 in Kronach, erlernte er das filigrane Handwerk der Glasgestaltung in einer Werkstätte im Rheinland. Er studierte Kunstgeschichte in Göttingen und arbeitete an Mosaikprojekten in Bolivien und Mexiko.

Seit 1991 arbeitet er freischaffend und hat sich seither weit über die Grenzen seiner fränkischen Heimat hinaus einen Namen gemacht. Sein kreativer Mittelpunkt ist das eigene Atelier in der historischen Unteren Sandstraße in Bamberg, das er seit 1992 betreibt.

Neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit gibt er sein Fachwissen seit 2008 als Leiter der Glaswerkstatt an der Werkbund-Werkstatt Nürnberg an nachfolgende Generationen weiter. Zudem engagiert er sich aktiv im Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Oberfranken.

Das Schaffen von Johannes Schreiber lässt sich am besten als eine faszinierende „Malerei mit Licht“ beschreiben. Im Zentrum seiner Philosophie steht das Zusammenspiel aus transparenten oder opaken Glasoberflächen, wechselnden Farbtemperaturen und dem natürlichen, sich stetig verändernden Tageslicht. Seine Arbeiten – die von monumentalen Fenstern im sakralen und öffentlichen Raum über fein abgestimmte Mosaike bis hin zu individuellen Grabmalen und Raumgestaltungen reichen – verbinden oft Glas mit Stein und anderen Materialien. Dabei scheut er das künstlerische Risiko nicht: Schreiber versteht den kreativen Prozess als eine Reise ins Ungewisse, bei der das Beschreiten neuer Wege und das Experimentieren mit dem Material im Vordergrund stehen. Seine Werke sind das Ergebnis dieses Mutes, das Traditionshandwerk immer wieder zeitgenössisch und lebendig zu interpretieren.

Im Kunstkabinett des Kunstvereins Bayreuth e.V. zeigt er seine Ausstellung „Leergut oder der Geist der Flasche“.

Johannes Schreiber:

„Als ich im letzten Jahr begann leere Flaschen zu sammeln, um sie zu zerteilen, wusste ich nicht, was daraus werden, wie es sich entwickeln und welche neuen Wege sich daraus ergeben könnten.“

Am Anfang stand der Wunsch eines Freundes nach einem Möbiusband aus Glas, mit meinen technischen Mitteln und Fertigkeiten unmöglich; trotzdem versuchte ich eine Annäherung, indem ich verschmelzbares Farbglas krümmte und neu zusammensetzte. Der Gedanke eine Flasche zu zerschneiden und so für diesen Zweck Glasringe herzustellen, die leichter zusammengefügt werden können, brachte meinen Weg in diese andere Richtung.

Die Flasche ist leicht verfügbar, niedrigste Materialkosten, aber die Idee hatten schon viele andere. Man nennt das dann grüne Kunst, meist entstehen Lampen, Schalen, Trinkgläser, ganz nett, aber nicht mehr. Es gibt aber oft nur das Zersägen oder nur das Verformen, oft das Upcycling einer Einwegflasche zu einem Trinkglas, zu einem Ding mit Funktion. Es entstanden schon bei den ersten groben Versuchen mit einer billigen Fliesensäge erstaunlich individuelle Formen. Ich zerschnitt Bierflaschen in Boden, Ringe, Hals und Kopf, fügte die Teile im Brennofen neu zusammen und wurde nach dem Brand am nächsten Morgen überrascht. Das Glas erweicht, die Einzelteile haften aneinander und neigen sich der Schwerkraft folgend in eine neue Form. Keine dieser Formen glich der anderen, es gab zwar Ähnlichkeiten und ich begann zumindest darüber nachzudenken, ob es möglich wäre, genau das Gleiche zu wiederholen, ist aber vielleicht auch uninteressant, da das Andere, die Formenvielfalt, das Individuelle, das Wesen von Verwandtschaft, die Klassifizierung viel wichtiger wurde.

Hier formte sich der Name „Wesen” für diese Glasteile, da mich das Ganze an eine Sammlung und deren Anordnung in einem festen Gefüge erinnerte, gleich Kieselalgen, Quallenartigen oder Insekten. Die Form der Präsentation musste variabel bleiben, um diesen Forschungscharakter beizubehalten. Fügt man die Wesen auf eine Platte ist ihre An- und Zuordnung endgültig. Durch das Aufkleben auf ein kleines Scheibenformat, welches dann in ein glasartiges Regal geschoben wird, bleibt es jederzeit offen, erweiterbar und kann neu zugeordnet werden nach Farbe, Formcharakter oder Größe.

Was die Wesen verbindet ist die Formsprache der Hülle einer Flasche. Da diese in verschiedenen Färbungen erhältlich ist, Grün und Brauntöne sind am häufigsten, schlagen sich diese auch in der Gesamtmenge nieder. Es gibt enge Verwandte und Fremde, Freunde und Außenseiter, selbst unter den Flaschen.

link zur homepage des Künstlers: schreiber-glaskunst.de

Vita, Arbeiten und Ausstellungen

Vita:
geboren 1963 in Kronach, Ausbildung zum Glasmaler im Rheinland, Arbeit als
Glasmaler, Bildhauerei in Kronach, Kunstgeschichtsstudium Göttingen,
Mosaikprojekte in Bolivien und Mexico
Dozent für Glas und Glasmalerei, Werkbundwerkstatt Nürnberg 2008-2025
seit 1991 Mitglied im Berufsverband der Bildenden Künstler Oberfrankens, als freischaffender Künstler tätig

Ich arbeite seit ewigen Zeiten mit dem Werkstoff Glas und immer wieder von Neuem begreife ich, was es mit dem Licht, seiner Farbtemperatur, seiner Wirkung auf Räume auf sich hat. Wenn ich einen Entwurf mache, versuche ich das Licht mitzudenken. Ich erfinde nicht alles neu, ich baue auf. Ich befinde mich in dauernder Auseinandersetzung mit dem Glas und dem Licht. Manchmal geht diese Entwicklung in Riesenschritten, manchmal zögerlich tastend.

Ausgeführte Arbeiten im öffentlichen Raum (Auswahl):
2025 „Kokon“, Glasgestaltung Malteser Hilfsdienst Bamberg
2022 „Wohltemperiert“, Glaskreuz Kirche St. Georg Friesen
2022 „Cool“, Wandgestaltung Essigbar Kronach
2021 Glaskreuz für AHE Hof
2020 „Zeit“, Glasinstallation Altenheimkapelle Iphofen
2019 „Zwischenraum“, Glasgestaltung Aussegnungshalle Stegaurach
2014 Glasgestaltung Ärztehaus in Kronach
2013 Glasgestaltung für Jugendbildungshaus Knock in Teuschnitz
2012 Mosaikwand für Waldkrankenhaus Erlangen
2006 Glasfenster für St. Kunigunde in Uttenreuth
2004 Fenster für die Dreieinigkeitskirche in Dettelbach

Ausstellungen (Auswahl):
2025 „Mehr und Weniger”, BBK-Ausstellung, Bamberg
2018 „Restlicht”, Ehemalige Klosterturnhalle, Kronach
2015 „Ein Bamberger Totentanz”, Bamberg
2014 „Take me to the Moon”, Trio-Ausstellungsreihe, Würzburg
2009 „UNTERwegS”, Höhlerbiennale, Gera
2009 „Lichtfänger”, Bistumshaus St. Otto, Bamberg
2008 „Cascade und Lichtfänger”, St. Elisabeth im Sand, Bamberg
2007 „Wo bleibt das Schöne” BBK-Ausstellung in Oberfranken
Konzept und Durchführung mit Wolfgang Männling und Gerhard Schlötzer

Preise, Stipendien:
2023 „Glasshouse Bootcamp” Verbindungslinien Münnerstadt
2015 „Im Schutz des Engels” Kunstpreis der Stadt Bamberg
2010 „Light and Shadow”, TGK-Competition, 2.Platz
2007 Atelierstipendium des Freistaates Bayern
2005 Preis des BBK Oberfranken für die Installation und Performance
„Dominoclub Weltfrieden